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"Ohne Bienen ginge viel verloren"

03.07.2012, Hanauer Anzeiger / cd


Rundgänge im Lehrgarten, Vorträge und Spiele: Imkerverein Nidderau-Schöneck feiert Fest in Büdesheim
Schöneck. Vorsichtig öffnet Alfred Herms das sogenannte Begattungskästchen. „Darin legen die Königinnen ihre Eier", erklärt er. „Wir müssen regelmäßig nachschauen, ob alles gut läuft." Während Herms seinen Zuhörern erklärt, wie der Nachwuchs entsteht, summt es überall. Kein Wunder, denn im Bienenlehrgarten von Erich Selzer sind die kleinen Insekten zu Zehntausenden vertreten. Der Imkerverein Nidderau-Schöneck hat dort seinen Hauptsitz. Beim Bienenfest am Sonntag standen allen die Türen offen. Das Grundstück am Büdesheimer Ortsrand ist mit einigen Stationen versehen, an denen Groß und Klein hautnah erleben können, wie die Imkerei funktioniert, welchen Zweck sie erfüllt und wie Bienen eigentlich leben. Viele der 85 Vereinsmitglieder führten die Besucher entlang der extra eingerichteten Wege - wie eben auch Imker Alfred Herms. Der engagierte und sympathische Bienenfreund ist Pressewart des Vereins, seiner Aussage nach einer der mitgliederstärksten in ganz Hessen. „Bei uns sind außerdem 25 Prozent Frauen, die wirklich aktiv als Imkerinnen dabei sind", erzählt er dem HA.

Aber zurück zu den Bienen: „Etwa ab Februar fangen sie an zu brüten. Dann legt die Königin Eier. Wenn die Bäume und Sträucher blühen, steht das Bienenvolk schon bereit", betont Herms. Eine wichtige Aufgabe der Imker sei die Königinnenzucht. „Die Königin eines Volks muss alle drei Jahre ausgetauscht werden. Deswegen müssen regelmäßig Königinnen gezüchtet werden", sagt er. In einem speziellen Zuchtrahmen wachsen die Chefinnen heran, die später ins Begattungskästchen eingesetzt werden. „Dazu kommt etwa ein Joghurtbecher voller junger Bienen. Dann kommt das Kästchen in einen dunklen Raum." Wenn alles gut gehe, fange die Königin dann an, Eier zu legen - bis zu 2000 am Tag. „Das können wir in diesem kleinen Maßstab bestens kontrollieren", erklärt der Imker. „Das Brutbild muss regelmäßig untersucht werden. Wenn die Königin nicht richtig in Schwung kommt, muss sie ausgetauscht werden." Schließlich soll sie für den Nachwuchs des Volks - eines besteht aus 40 000 bis 60 000 Bienen - sorgen. Bedroht seien die Insekten nach wie vor von der Varroamilbe, einem äußerst schädlichen Parasiten. „Wir gehen dagegen mit Ameisensäure und nicht mit der chemischen Keule vor", betont Herms.
Bei der Imkerei geht es nicht nur um Honig, obwohl ein Volk etwa 35 Kilo im Jahr produziert. „Ohne die Bienen und ihre Bestäubungsarbeit ginge viel Flora und Fauna verloren - der Bauer kann ja nicht selbst durch die Pflanzen und Bäume fliegen und sie bestäuben." Sträucher wie die Vogelbeere würden von 63 Vogelarten angeflogen und von 34 Kleinsäugern gefressen. Bei der Bestäubung von Pflanzen, Blumen und Bäumen leisteten Imker eine wichtige Unterstützung, macht Herms deutlich. Schon die alten Ägypter hätten um die Bedeutung der Bienenzucht gewusst.

Das Imkern - rund fünf Stunden pro Woche müsse man dafür aufbringen - bringe aber nicht nur der Natur etwas. „Man sieht die Natur mit ganz anderen Augen", betont der Pressewart der Nidderauer und Schönecker Imker. „Mir fällt vor allem auf, dass die Landschaft ganz anders als früher geworden ist. Es ist alles nur noch grün. Pflanzen wie Raps gehen komplett verloren." Bei seiner Führung räumte Herms auch mit einigen Mythen auf. „Bienen sind nicht gefährlich. Sie stechen nur, wenn sie um ihr Leben fürchten." Er selbst arbeite in Poloshirt und kurzer Hose, selbst Handschuhe trage er nicht. Ins „Reich der Fabeln" verwies der Imker den Glauben, dass das Essen des Königinnensafts, genannt Gelee royale, die Manneskraft steigere. „Da sollte man sich nicht drauf verlassen. Außerdem schmeckt das Gelee nicht besonders gut."

Neben den Führungen gab es Vorträge rund um die Imkerei. Die Kinder kamen auch auf ihre Kosten: Bei einem Bienenwettfliegen mussten sie auf ihren Favoriten tippen, bei einem Bienenquiz spannende Fragen beantworten. Außerdem wurde gebastelt und gemalt - unter Anleitung lebensgroßer Bienen. In solche Kostüme waren einige Vereinsmitglieder geschlüpft. Eines durfte natürlich auch nicht fehlen: Honig. Das Naturprodukt der Nidderauer und Schönecker Imker gab es an einem Stand zu kaufen. Christian Dauber (HA)

Zum Hineinschnuppern: Probeimkern
Schöneck (cd). Der Imkerverein Nidderau-Schöneck bietet interessierten Bienenfreunden eine besondere Möglichkeit: das Probeimkern. „Jeder, der das Imkern mal ausprobieren möchte, ist bei uns herzlich willkommen", betont der Pressewart des Vereins, Alfred Herms. Die Idee funktioniert folgendermaßen: Wer mit dem Gedanken spielt, selbst zum Imker zu werden, kann probeweise ein Bienenvolk übernehmen. Dieses wird unter fachkundiger Anleitung erfahrener Mitglieder im Frühjahr und Sommer bewirtschaftet. Nötige Gerätschaften wie einen Bienenkasten stellt der Verein. „Im Herbst muss der Probeimker entscheiden, ob er weitermachen möchte, oder nicht", erklärt Herms. Weitere Informationen gibt es im Internet. www.imkeronline.de

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